Lost Distilleries II
Ralf hatte letztes Jahr den Vorschlag gemacht, einige Lost Distilleries besser
kennenzulernen und dieser Vorschlag stieß natürlich auf einheitliche
Begeisterung.
Es sollten jeweils an einem Clubabend drei verschieden Abfüllungen einer
geschlossenen Brennerei probiert werden.
Hier kommen nun die letzten drei, die zusammengefaßt werden sollen. Es sind:
Glenugie
Convalmore
Coleburn
Die vierte Destillerie war Glenugie.

Hier ein kurzer geschichtlicher Überblick.
Glenugie ("das geschützte Tal") war einmal die östlichste Brennerei Schottlands.
1831 wurde die Destillerie von Donald, McLeod & Co. unter dem Namen Invernettie
gegründet und 1837 zu Glenugie Distillery Co. umbenannt.
1873 wurde die Destillerie dann zu einer Brauerei umfunktioniert, aber bereits
zwei Jahre später von den Scottish Highland Distillers Co. Ltd. umgebaut und mit
einer jährlichen Produktion von 90.000 Gallonen betrieben, die allerdings immer
mehr abnahm. 1879 hat dann George Whyte & Co die Brennerei übernommen, und von
1884 bis 1915 gehörte die Brennerei Simon Forbes, war allerdings während WW I
größtenteils geschlossen.
Nach dem ersten Weltkrieg 1918 kaufte John Craig die Brennerei und 1923 und 1924
lief die Brennerei unter dem Namen Glenugie Distillery Ltd. Zwischen 1925 und
1937 war sie dann stillgelegt. 1937 kam es zur Wiederinbetriebnahme unter dem
alten Destillerienamen durch Glenugie Distillery Ltd, Seager Evans & Co Ltd
(London).
Von 1956 bis 1958 nahm Schenley Industries Inc. (US-Firma) eine komplette
"Neumöblierung" vor: neue Anlage und Equipment mit u.a. Öl-befeuerten Kessel,
die das Kohle-befeuerte System ersetzte, Prozeß-Wasser wurde nun mehrere
Kilometer weit hergeholt. Die Wasserquelle war Wellington Spring. Zwei neue
Stills mit großen Kondensern erstatteten die altmodischen Worm coils. Die Wash
Still bekam einen 200-Röhrenkühler, der Spirit Still einen 50-Röhren.
Die Produktion wurde verdoppelt, was zugleich die Warehouses sprengte. Das
Problem wurde "gelöst", weil 1963 die Floor Maltings geschlossen wurden und
diese dann zu Warehouses umfunktioniert wurden. Insgesamt hatte die Brennerei
nun neun Warehouses mit einer Gesamtkapazität von 1,5 Millionen Gallonen.
1958 übernahm Strathclyde & Long John Distilleries das Sagen, 1970 Long John
International Ltd. und 1975 Whitbread & Co Ltd., bis es 1983 zur Schließung der
Brennerei kam.
Hätte die Brennerei in einem anderem Part von Schottland gelegen, hätte
vielleicht noch einer ein Auge drauf geworfen, aber da Peterhead sein Geld mit
Nordseeöl verdient hat, wurde das Gelände schon sehr bald von zwei
Ingenieursfirmen gekauft, die im entsprechenden Gewerbe ansässig waren, und so
wird diese Destillerie nie wieder in Produktion gehen können. Heute gehört das
Gelände der Score Europe Ltd., die die Öl- und Gas-, Stromerzeugungs- und Luft-
und Weltraumfahrtsindustrie mit Ventilen und entsprechenden Systemen versorgt.
Aber es stehen noch einige der Warehouses auf dem Gelände und im Foyer kann man
noch einige alte Photographien der Destillerie bewundern.
Die verköstigten Whiskys des Abends waren
Glenugie, DL OMC, 20 yrs, Mar 1984/Aug 2004, Cask DL Ref 1320, 201 bottles, 50 %
Glenugie, DT, RotR, 22 yrs, Nov 1981/July 2004, Sherry Cask # 5156, 548 bottles,
58.0 %
Glenugie, MMcD, Mission III, 1977, 26 yrs, 498 bottles, 46 %
Die nächste Brennerei, die vorgestellt wurde, war Convalmore.
Convalmore bedeutet Groß-Conval, sie liegt am nördlichen Ortsausgang von
Dufftown und war die vierte Brennerei, die in Dufftown gegründet wurde. Die
Destillerie wurde im 24.Juni 1893 von der Convalmore-Glenlivet Distillery Co.
Ltd. gegründet und vom Architekten Donald Mackay aus Dufftown erbaut. Im Februar
1894 ging man zum erstem Mal in Produktion. Aber bereits im März 1904 wurde die
Brennerei an die Blending-Firma W. & P. Lowrie & Co. Ltd. aus Glasgow für 6000 £
plus Stock verkauft. 1906 geriet der neue Eigentümer in finanzielle
Schwierigkeiten und James Buchanan, ein Großkunde von Lowrie, kaufte die Firma
inklusive der Convalmore-Brennerei. Während seiner Zeit kam es auch zum
schlimmsten Ereignis in der Geschichte der Destillerie. Am 29.Oktober 1909 kam
es zu einem Großbrand, so dass die Destillerie in den nächsten beiden Jahren
wieder aufgebaut werden musste. In diesem Zuge wurden auch eine kontinuierliche
Still mit einer Kapazität von 500 Gallonen/Stunde angeschafft. Von 1910 bis 1916
machte man Experimente mit einer Column Still zur kontinuierlichen Destillation
von Maltspirit, hat sie jedoch danach wieder abgebaut. Die Betreiber hatten
gehofft, die Produktionskosten senken zu können, aber es zeigte sich, dass das
Destillat sehr ungleich reifte und somit stellte man nach sechs Jahren wieder
auf Pot Still-Betrieb um. Die Brennerei kam 1925 zur DCL, die sie auch 1985
schlossen. Die Produktion wurde wie bei vielen anderen Destillerien während des
WW II niedergelegt, aber nach dem Krieg wieder angefahren. 1962 wurde die
Befeuerung der Stills von Kohle auf indirekte Dampfbeheizung umgestellt und in
den Jahren 1964/1965 sogar zwei zusätzliche Stills angeschafft. Somit besaß die
die Brennerei nun vier Stills - zwei Wash und zwei Spirit Stills. Außerdem wurde
eine dark-grain Anlage gebaut, die Pot Ale und Grist in Viehfutter verwandelte
(1995 geschlossen) und die Anzahl der warehouses im Jahr 1972 erhöht. Im Jahr
1975 wurde zudem ein neues mash house gebaut. Der DCL-Nachfolger UD verkaufte
1987 die völlig leergeräumte Anlage an William Grant & Sons, denen im gleichen
Ort schon Glenfiddich, Balvenie und Kininvie gehören. Sie benutzen die
nahegelegenen warehouses von Convalmore nur noch zum Reifen ihrer eigenen Malts.
Der hergestellte Malt ging fast ausschließlich in Blends wie z.B. "Black &
White" und "Lowrie's". Den Whisky gab es auch bis 2003 nie in einer
Eigentümer-Abfüllung (Convalmore, Rare Malts, 1978, 24 yrs, 59.4 %), aber von
den großen unabhängigen Abfüllern kamen einige Flaschen auf dem Markt.
An dem Abend kamen wir sogar in den Genuss von vier Abfüllungen:
Convalmore, RM, 24 yrs, 1978/April 2003, Sherry Cask, 59.4 %
Convalmore, Cad. AC, 26 yrs, 1977/July 2003, Sherry Butt, 642 bottles, 61.4 %
Convalmore, enjoy whisky "Whisky vom Fachhandel", 31 yrs, 15.10.1975/14.11.2006,
Bourbon Cask # 2570, 268 bottles, 46.9 %
Convalmore, Scott's Sel., 29 yrs, 1975/2004, 49.3 %
Als sechste geschlossene Brennerei wurde Coleburn vorgestellt.
Der Name Coleburn stammt höchstwahrscheinlich von "Charcoal burn", da berichtet
wird, dass Holzkohle in der Nähe des Flusses hergestellt wurde. Die Destillerie
liegt in einem Tal bei Longmorn zwischen Elgin und Rothes zwischen der A 941 und
der 1966 stillgelegten Eisenbahnstrecke in der Speyside. Erbaut wurde die kleine
Brennerei 1897 von John Robertson & Son aus Dundee, die vor allem durch ihren
Blend "Yellow Label" bekannt wurden, der heute von Diageo kommt. Von außen sieht
es immer noch aus wie zur Gründung, aber die Stills sind leider schon lange
nutzlos. Der Architekt war der große Charles Chree Doig. 30 Jahre war John Grant
als erster Manager der Destillerie tätig und die Brennerei produzierte bis zum
24.5.1913 Whisky. Während des Rests des ersten Weltkrieges war sie stillgelegt.
1916 verkauften sie dann die Brennerei an die Clynelish Distillery Co. Ltd. Die
DCL besaß die Destillerie seit 1925, die Lizenz lief aber auf den Namen John
Walker & Sons Ltd and John Risk, und nach 1930 war sie auf J.&G. Stewart
eingetragen.
In den 50ern und 60ern wurden mehrere Veränderungen am Equipment gemacht. 1950
wurde die Spirit Still ersetzt, gefolgt von dem Austausch der Wash Still im Jahr
1955 und wieder im Jahr 1971. Die Mash Tun wurde zunächst 1959 und wiederum 1976
ersetzt. 1962 fand ein Wechsel von Worm Tubs zu Wärmetauschern und von offener
Kohlebefeuerung zur Dampfbeheizung statt. Die Floor Maltings wurden 1968
eingestellt. Die Wasserquelle für die Herstellung der Malts war eine
Calcium-reiche Quelle auf dem Gelände, der Glen Burn wurde lediglich zum Kühlen
verwendet. Die Gerste, die am Ende des Brennereilebens benutzt wurde, war Golden
Promise und Triumph, und das Malz kam von den großen zentralen Maltings. Die
Brennerei besaß eine Wash Still mit 18.185 Litern und eine Spirit Still mit
14.548 Litern, und der New Spirit kam fast ausschließlich in Ex-Bourbon Fässer.
Man weiß, dass während der Blütezeit des Whiskyhandels Coleburn als eine Art
Labor zum Testen verschiedener Whiskyproduktionsmethoden gedient hat.
Coleburn überlebte zwar zunächst das große Brennereisterben von 1983, wurde aber
bereits zwei Jahre später von der DCL geschlossen. Der letzte New Spirit wurde
am 28.3.1985 destilliert. Der Nachfolger UD löschte 1992 auch endgültig die
Lizenz.
Der meiste Teil des Coleburn-Malts verschwindet im Ushers-Blend und im Johnnie
Walker Red Label. Diageo kam zwar im Jahr 2000 mit einer Rare Malt-Abfüllung auf
dem Markt, jedoch war und ist Coleburn eine Rarität auf dem Markt, denn auch den
unabhängigen Abfüllern gelingt es nur ganz selten, an ein Fass zu kommen.
Die Brüder Dale und Marc Winchester haben im Oktober 2004 Pläne beim Moray
Council eingereicht, auf dem Gelände eine Konzerthalle, ein Hotel mit Restaurant
und Geschäften zu errichten.
An diesem Abend wurde folgende Abfüllungen getastet:
Coleburn, DL PS, 34 yrs, 1967/2002, 287 bottles, 50.4 %
Coleburn, G&M CC, 1972/2000, map label, 40 %
Coleburn, Sign. Vint., Cask Strength Coll., 36 yrs, 13.1.1970/14.3.2006, Wine
Treated Puncheon Cask No. 00/1142, 62.4 %