Ein kurzer (whiskyorientierter) Reisebericht 

 

Die erste Schottland-Reise der "Friends of Malt" startete pünktlich am Freitag, 11.5.2001 um 8.00 Uhr an der Getränkewelt Weiser in Heppenheim. Nachdem sich alle im großzügigen Bus verteilt hatten, ging die Fahrt los in Richtung Rotterdam, was auch planmäßig erreicht wurde.

Dort legte die Fähre zwar etwas verspätet ab, doch am nächsten morgen war der Rückstand bei der Ankunft in Hull wieder aufgeholt. Die Fahrt durch England und Schottlands Süden verlief ebenfalls problemlos, so daß (nach kurzer telefonischer Anmeldung) der gesammelte Club über den Loch Fyne Whisky Shop herfiel.

Der befürchtete Kaufrausch hielt sich zwar noch in Grenzen, jedoch befanden sich nach ca. 1½ Std. etliche Flaschen in unserem Besitz und der Gefahr einer allzu trockenen Weiterfahrt konnte gelassen entgegengesehen werden. Nach der Übernachtung in Oban[1] ohne Destillerie-Besichtigung (wir kommen ja noch mal vorbei) bekamen wir bis zu unserer Ankunft auf Skye[2] landschaftliche und kulturelle Höhepunkte kompakt serviert.

Die Talisker-Destillerie hatte dank Theo's guter Kontakte extra für uns sonntags geöffnet, und da einige noch nie in einer Destillerie waren, führte uns Cathie MacLeod mit einer ausgedehnten Tour durch alle wichtigen Gebäude. Die abschließende Probe bestand aus einem Vergleich zwischen dem 10-jährigen Talisker und dem 10-Jährigen Faßstärke Destillery only sowie einem Oban Destillers Edition. Als Verabschiedung trat unser Dudelsackspieler Achim in Aktion und durchbrach spontan die Stille auf Skye, was Cathie MacLeod jedoch sichtlich beeindruckte (es sollte nicht das letzte Mal sein)[3].

Nach einem Abstecher auf die Halbinsel Trotternish verbrachten wir die Nacht in Ratagan und fuhren am nächsten Tag über Fort William, wo wir selbstverständlich der Ben Nevis-Destillerie einen kurzen Besuch abstatteten, zurück nach Oban[4]. Hier konnten wir aus Zeitgründen ebenfalls nicht die ganze Destillerie besichtigen, aber wir waren immerhin "mal drin" gewesen. Der weitere Weg führte nun nach Kennacraig, und von dort aus mit der Fähre nach Islay, wo wir für die nächsten Tage in der ehemaligen Loch Indaal-Destillerie übernachteten[5].

Zum Aufwärmen für die nächsten 4 Tage (immerhin 7 Destillerien) begaben wir uns zunächst nach Port Ellen, wo wir die alte Destillerie zwar nicht mehr besichtigen konnten, aber zum Trost von John Thomson einen Lagavulin in den Kaffee geschüttet bekamen. Die Gebäude werden demnächst abgerissen, woraus man allerdings nicht schließen sollte, daß nach unseren Besuchen jetzt alles in Trümmern liegt. Die Mittagszeit überbrückten wir mit einem Ab-Stecher bei Norrie Kimbel, dem Torf-Stecher von Islay. "Cool"-Norrie ließ sich von dem naßkalten Wetter nicht beeindrucken (er stand als einziger mit kurzen Ärmeln in der windigen Landschaft rum) und demonstrierte recht beeindruckend sein Handwerk. Aber auch Theo, Patrick und Peter zeigten mehr oder weniger Geschick – wer also für seinen heimischen Ofen noch Torf benötigt kann sie gerne anrufen. Zum Glück hatte Norrie gleich zwei Uhren und so kamen wir pünktlich in Lagavulin an. Hier konnten wir dann, nachdem wir auch diese Destillerie eingehend unter die Lupe genommen hatten, einen Lagavulin ohne Kaffeezusatz trinken.

Am nächsten Tag stiegen wir nur kurz in den Bus ein, um auch gleich wieder auszusteigen, denn wir waren mit Jim McEwan in der Bruichladdich-Destillerie "direkt um die Ecke" verabredet. Seinen Angaben zufolge soll(te) die Produktion eine Woche nach unserem Besuch wieder beginnen. Seine Visionen über die Zukunft der Destillerie beeindruckten uns schon ziemlich (man kann ja in den nächsten Monaten bzw. Jahren verfolgen, ob sie Realität werden).

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Bis Mitte des Jahres 2001 soll eine Akademie, ein islay-typisches Handwerk- und Künstlergebäude und ein Museum entstehen, sowie die Möglichkeit mit einer Webcam die Destillation live mitzuverfolgen. Abgerundet wurde die Tour durch einen Besuch in den Lagerhäusern, wo wir uns direkt aus dem Faß einen 10jährigen Sherry Refill und dann einen 2 Jahre und 11 Monate alten stark getorften aus dem Sherry Faß genehmigten[6], welchen die Leute von Jura destilliert hatten.

Nach einem Mittagessen im Harbour Inn in Bowmore statteten wir Christine Logan einen Besuch ab. Leider war eine Konferenz auf diesen Tag verlegt worden, und so war unser Aufenthalt in der Destillerie nur von kurzer Dauer. Nachdem wir uns aber überzeugt hatten, daß noch Schlüssel für den 40-jährigen Bowmore frei sind[7] und wir uns noch mit der Katze Smoky unterhalten hatten, gab es noch einen Bowmore Dusk zu verkosten.

Der Donnerstag war schließlich der Höhepunkt für alle "harten Islay-Liebhaber" – Laphroaig und Ardbeg stand auf dem Programm. Zunächst warteten wir mit Iain Henderson bei einer Tasse Kaffee bis eine nach Iain's Meinung "ordinary tourist group" ausreichend Vorsprung hatte, um uns nicht in die Quere zu kommen. Nachdem dann alle Plotbesitzer Einblick in ihre Akten hatten, konnten wir ihn überzeugen, uns ein Faß (leider leer) zu überlassen, das sich jetzt in unserem Clubraum befindet. Den wahrscheinlich rauchigsten Augenblick konnten alle direkt in der Kiln erleben; nach dieser Erfahrung gibt es wirklich nur zwei Alternativen – love it or hate it. Aber spätestens danach war jeder gegen torfig-rauchige Whiskys geimpft[8]. Direkt danach folgte der nächste Keulenschlag, denn wir bekamen eine pot still während des Destillationsvorgangs geöffnet (Inhalieren soll ja gesund sein). Zum Abschluß wurde ein gerade abgefülltes Faß auf die Trinkbarkeit seines Inhalts hin untersucht und wir verabschiedeten uns mit einem 10-jährigen Laphroaig.

In der Ardbeg-Destillerie wurde erst einmal der Magen aufgefüllt, so daß wir gestärkt für den Spitzenreiter der ppm's waren. Stuart Thomson führte uns durch Gebäude bis in die Warehouses, wo er es sich nicht nehmen ließ uns einen Provenance direkt aus dem Faß anzubieten.

Der nachfolgende Vergleich zwischen dem 10-jährigen und der 1975er-Abfüllung konnte dann nicht mehr ganz mithalten. Nachdem wir auch von Stuart ein Faß (schon wieder leer) mit auf die Reise bekamen, ging es nach einem absolut gelungenen Tag wieder in Richtung Port Charlotte[9].

Am letzten Tag auf Islay wurde der Norden der Insel mit Bunnahabhain und Caol Ila erschlossen. Bunnahabhain zeigte sich als recht trostlose Destillerie, u.a. auch weil sie z.Zt. nicht in Betrieb ist. Wir durften zwar die Warehouses besichtigen, wurden aber von John MacLellan darüber belehrt, daß das Probieren aus einem Faß "illegal" ist.

Also fuhren wir (als "Absacker") in die Caol Ila-Destillerie, die modernste Destillerie auf Islay. Beeindruckend war hier der Blick aus dem still-house direkt auf die Nachbarinsel Mull. Aus Zeitgründen mußten wir dann relativ schnell Islay verlassen, um unser abendliches Quartier, die Jugendherberge am Loch Lomond, rechtzeitig zu erreichen.

Dort angekommen wartete schon John McDougall auf uns, wobei der gemeinsame Abend mit ihm nicht sehr lang dauerte, da er noch eine 3-stündige Autofahrt vor sich hatte. Die Zeit wurde dann sinnvoll genutzt, um entweder einem australischen Ehepaar auszureden, nach Wien und Salzbug zu fahren, weil das Rhein-Neckar-Gebiet sowieso viel schöner ist, oder um sich "kurz" die Füße zu vertreten.[10]

Am nächsten Morgen schlossen wir die Reise mit der Auchentoshan-Destillerie ab, in der wir von Ronnie Learmond empfangen wurden. Noch bevor wir in die Geheimnisse der Dreifachdestillation eingeweiht wurden, bekamen wir schon am frühen Morgen einen ersten Tropfen (den 10-Jährigen) eingeschenkt. Nach dem Rundgang durch die sehr gepflegte Destillerie verköstigten wir noch den Three-Wood und den 21-Jährigen, so daß wir gestärkt durch dieses ausgiebige "Frühstück" beruhigt die Rückreise nach Hull antreten konnten.

Von Hull aus ging es dann durch die Nacht wieder zurück aufs Festland nach Zeebrugge und von dort aus zu unserem Stützpunkt nach Heppenheim, wo wir schließlich doch ohne Verluste ankamen.

Knapp zwei Wochen später wurden während unseres Clubabends schon wieder neue Pläne für eine eventuelle Reise im nächsten Jahr geschmiedet, wobei diese wohl etwas anders geprägt sein wird, allerdings sicherlich auch nicht perfekt werden kann – so wie es keine Reise mit mehreren Personen an egal welchen Ort der Welt zu irgendeinem Zeitpunkt jemals sein wird! 

Slainte

Wir danken:

 Hans Georg und Theo für die Organisation, dem Harbour Inn (Oban), dem Port Charlotte Hotel (Port Charlotte) als abendliche Anlaufstelle, Harbour Inn (Port Charlotte) - schottischer Abend, dem Lochside Hotel (Bowmore) für seine große Auswahl, Iain und Stuart für die Fässer, dem schottischen Landwein dafür, daß es ihn gibt, und schließlich unserem Busfahrer Klaus, der uns souverän und ohne Rücksicht auf sein "Material" bis in die abgelegensten Winkel chauffierte.


[1] Andreas begeisterte mit seiner Juke-Box-Musikauswahl im Harbour Inn vor allem die anwesenden Teenager

[2] Trotz unserer Beteuerungen, daß wir die Brücke nicht kaufen wollten, mußten wir 41,20 £ für die (einfache!!!) Überfahrt zahlen

[3] zum Dank ließen wir Ihn "aus Versehen" gegen Ende unserer Reise an einem belgischen Rasthof stehen

[4] "oben in Oban"

[5] Theo und Achim "fensterln" gerne in der Jugendherberge auf Islay (Vorsicht an alle, die dort mal übernachten   wollen!)

[6] Theo konnte leider nicht mitgenießen – er ist irgendwo hängengeblieben

[7] Also wer einmal umsonst in der Destillerie übernachten will, muß nur Besitzer einer Flasche des 40-jährigen Bowmore werden

[8] Eine Ausnahme ist Roger, der läßt sich lieber kastrieren

[9] Andreas dachte an diesem Abend immer nur an teflonbeschichtete Pfannen für seine morgentlichen Rühreier

[10] Sabine, Roland, Uwe und Udo machten einen unfreiwilligen Abendspaziergang, nachdem ihnen der Eintritt in einen Pub verwehrt wurde und sie deshalb ca. 1 Std. durch den dunklen Wald bis zum nächsten Ort laufen mußten, um irgend etwas zu Essen zu bekommen.